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Die Geschichte Oberrads
Die folgenden Zeilen verstehen sich nur als kurzer Abriß der Geschichte Oberrads - mit der gesamten Geschichte könnte man Bücher füllen! Im Maingau, am Rande des Maintals, jedoch noch als Teil des Dreieichforstes, ist schon um das Jahr 1000 gerodet worden, und zweifellos wurden dabei auch die ersten Siedlungshäuser Oberrads errichtet. Wer zum ersten Mal nach Oberrad kommt, wird diesen Namen wahrscheinlich nicht so ohne weiteres verstehen.
Der Frankfurter Forscher Kirchner gibt zur Ortsbezeichnis folgende Erklärung:
"Oberrad, ein Walddorf oberhalb Frankfurts, am linken Mainufer gelegen, erhielt so wie Niederrad seinen Namen von der ausgerodeten Waldung."
Schon 1151 wird in einer Urkunde ein neues Dorf "Rode" erwähnt, doch ist nicht bestimmt, ob damit Oberrad oder Niederrad gemeint ist. Die erste Urkunde jedoch, bei der es sich einwandfrei um Oberrad selbst handelt, stammt aus dem Jahre 1270.
Wie hat das alte Oberrad wohl damals ausgesehen? Wo lag sein Kern? Wer bewohnte es? Einen Plan aus dieser Zeit gibt es nicht, und so müssen überlieferte Informationen als Unterlage für eine Beschreibung dienen.
Mit Bestimmtheit bestand der Ort nur aus wenigen Häusern und ca. 60 Einwohnern. Es gab schon vor 1270 eine Kirche, wie aus Schenkungsurkunden hervorgeht. Um 1374 begann man damit, den Wald hinter dem Mühlberg abzuholzen und das Gelände urbar zu machen. Ein Teil dieser Fläche ist uns heute als "Alter Berg", zwischen der Goetheruhe und dem Goldbergweg liegend, bekannt. Der andere Teil hieß "Neuer Berg" (Sachsenhäuser Berg) und entspricht dem Gebiet zwischen Wendelsweg, Hainer Weg und Bischofsweg. Damit war die Oberräder Feldmark nach Westen offen. Vom Bischofsweg, wenig östlich der Goethruhe abgehend, lief zu dieser Zeit die Gemarktungsgrenze etwa gradlinig an der Grenzstraße (Balduinstraße) vorbei zum Lehengraben.
Im Jahre 1425 erfolgte die Pfandeinlösung Oberrads durch Frankfurt. Die folgenden Jahrhunderte waren in Oberrad durch schwere kriegerische Ereignisse geprägt. Während des Schmalkaldischen Kriegs (1552) wurde Oberrad niedergebrannt. Auch unter dem 30jährigen Krieg (1618-48) hatte Oberrad zu leiden. Nur noch 37 Haushaltungen blieben übrig. Doch das Leben ging weiter. Fast alle Oberräder waren in der Landwirtschaft tätig. Viehzucht war der Haupterwerbszweig, doch baute man auch Obst und Gemüse an. 1797 kam es zu heftigen Kämpfen zwischen Preußen und Franzosen, in deren Verlauf Oberrad geplündert wurde. So war Oberrad wieder einigen Turbolenzen ausgesetzt.
Die Bedeutung von Obst und Gemüse wuchs immer mehr. Die Bauern stellten sich auf Gemüseanbau um, das sie auf Frankfurter Märkten verkauften. Das "Gärtnerdorf", wie Oberrad auch heute noch genannt wird, entstand. 1866, als die Preussen kamen, wurde Oberrad eine selbständige Gemeinde und entwickelte sich weiter.
1881 verkehrte erstmals eine Pferdebahn zum Lokalbahnhof in Sachsenhausen. Diese wurde 1884 durch die erste elektrische Straßenbahn ersetzt, die liebevoll die "Knochenmiehl" genannt wurde.
Im Jahr 1900 wurde Oberrad eingemeindet. Die Entwicklung des "Gärtnerdorfes" ging auch als Stadtteil weiter. Die Gärtnersiedlungen "Im Teller" und "Gerbermühle" entstanden in den 20er Jahren.
Nur wenige Jahre später begann das dritte Reich. Am 04. Oktober 1943 gingen Wohnhäuser, Schulen und Kirchen in Flammen auf, als Leuchtbomben herniederfielen. Nachdem einige ihre Häuser wieder winterfest hergerichtet hatten, nahte schon die nächste Katastrophe. Ende März 1944 versank im Bombenhagel fast all das, was noch stand oder notdürftig wieder hergerichtet war. Etwa 100 Menschen kamen ums Leben. An beiden Tagen mahnen jedes Jahr die Glocken an die damaligen Schrecken.
1951 begann der Wiederaufbau in größerem Umfang. 1956 wurde die Erlöserkirche neu eingeweiht. Der Gartenbau ist auch heute noch ein wichtiger Geschäftszweig.
Heute leben auf 274,5 Hektar rund 12.000 Einwohner.
Dieser kleine Abriss der Geschichte Oberrads wurde von Ines Sauer nach intensivem Durcharbeiten von Material aus dem Institut für Stadtgeschichte (Münzgasse 9) erstellt.
Ergänzung vom 13.06.2005:
Die Tatsache, daß nach dem dreißigjährigen Krieg nur noch 37 Haushaltungen in Oberrad bestanden, lag vor allem an der Pest, die 1632 in Oberrad wütete.
Herzlichen Dank an Herrn Guido Heidenreich für diese Ergänzung